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Pimpinone oder „Die ungleiche Heyrath“

Komische Oper von Georg Philipp Telemann

Libretto:
Pietro Pariati
Inszenierung:
Bernward Konermann, Berlin
Wiederaufnahmeregie:
Michel Joly, Paris/Bern
Darsteller:
Vespetta: Martina Schänzle, Hamburg
Pimpinone: Ralf Grobe, Hamburg
Intermezzi:
Arlecchino: Raija Siikavirta, Frankfurt am Main
Orchester:
United Continuo Ensemble
Konzertmeister:
Florian Deuter, Köln
Produktionsleitung:
Jörg Meder, Wiesbaden
Kostüme/Ausstattung:
Tania Peesel, Hannover

Das Libretto von Pietro Pariati war ursprünglich für eine Oper von Tommaso Albinoni geschrieben worden, die aber nicht zur Aufführung kam. Georg Philipp Telemann bediente sich des bestehenden Librettos und schrieb dazu die Musik für eine komische Oper. 1725 wurde Pimpinone oder die Ungleiche Heyrath in Hamburg an der Oper am Gänsemarkt als zweisprachiges Werk uraufgeführt.

Die Geschichte handelt von dem zeitlos aktuellen Thema Liebe zwischen ganz Alt und ganz Jung, Heirat nicht ausgeschlossen. Pimpinone, ein alter, geiziger und reicher Kauz sucht eine Magd. Vespetta, ein hübsches Kammermädchen, suchte eine Stellung. Ihr Ziel ist ein sorgenfreies Leben. Die Heirat ihres künftigen Arbeitgebers zieht sie dabei mit ins Kalkül. Sie bewirbt sich bei Pimpinone, gefällt ihm und erhält die Stelle. Pimpinone fasst Vertrauen und heiratet Vespetta. Zuvor versichert er sich aber ihrer Treue und nimmt ihr ein Gelübde ab. Demzufolge schwört sie immer still und brav zuhause zu bleiben und nicht nach anderen Männern zu schauen. Doch das Leben holt sie schnell ein und es beginnt ein turbulentes Spiel um Liebe und Eifersucht, den Stolz des Alters und die kecke Macht der Jugendlichkeit.

Der Stoff ist uralt. Telemann nimmt ihn direkt aus der italienischen Stegreifkomödie, dem Strassen- und Marktplatztheater der Commedia dell'Arte. Doch seine Derbheit und Direktheit gehen bis in die Antike. Nach der harten Arbeit des Tages wollte man dort beisammen sein und seinen unmittelbaren vitalen Bedürfnissen nachgehen. Telemanns Intermezzi, als nicht ganz ernst gemeinte Karikaturen zwischen den ernsten und hehren Opern der europäischen Hochkultur, hatten die gleiche Funktion: Sie sollten Geist und Seele erfreuen, entspannen, unterhalten.

Der Inhalt ist wie in der italienischen Commedia dell' arte nicht ohne soziale Komponente. Man rächt sich an der harten Wirklichkeit, macht sich öffentlich lustig über die alten reichen Kaufleute - in Florenz, Neapel und Venedig genauso wie in Hamburg - die nichts als ihr Geld und junge Mädchen, die sie allerdings so gut wie nie bekommen, im Kopf haben, und bewundert die Vitalität der Unterschicht, Harlekino und die hübsche Columbine, aus der bei Telemann die taillierte Vespetta wird. Aus dem Geizhals Pantalone wird der Pimpinone.

Die Inszenierung bringt italienisches Temperament auf die Bühne. Den beiden Darstellern Martina Schänzle als Vespetta und Ralf Grobe als Pimpinone, begleitet von den UCS Barocksolisten gelingt es immer wieder mit Witz und Tempo ihr Publikum zu begeistern und dieser uralten Geschichte in Anlehnung an die Commedia dell´Arte neue Facetten abzugewinnen.

 

 

 

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