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Moderner Tanz zu geistlichen Kantaten von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)
Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen BWV 12 (1714)
O Ewigkeit, du Donnerwort BWV 20 (1724)
Ich hatte viel Bekümmernis BWV 21 (1714)
Freies Tanztheater Frankfurt |
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Die Himlische Cantorey |
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UCS Barocksolisten |
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Choreographie |
Marie-Luise Thiele, Frankfurt am Main |
Gesamtleitung |
Claus Bantzer, Hamburg |
Idee und Produktionsleitung |
Jörg Meder, Wiesbaden |
Zur Inszenierung
Bachs Kantaten entstanden im Zuge der lutherischen Konzentration auf das Bibelwort als Bereicherung der sonntäglichen Gottesdienste zu den jeweiligen vorgegebenen Episteln und Evangelien. Trotz der jeweils
anfänglichen scheinbaren Ausweglosigkeit zeigen die Kantaten am Ende Hoffnung auf. Somit beschäftigte sich Bach vor knapp 300 Jahren ebenso mit Lösungsansätzen und Zukunftsvisionen wie derzeit die EXPO 2000 in Hannover, in deren Kontext das interdisziplinäre Projekt entstanden ist. Im Gegensatz zu der vielfach oberflächlichen einseitig positiven Selbstdarstellung vieler Länder auf der Weltausstellung wird mit den Bachkantaten und ihrer Umsetzung ein realistischer, mahnender Gegenpol angeboten. Ausgehend von einer originalgetreuen Instrumentierung und Aufführungspraxis wird mit der Bereicherung der musikalischen Sprache Bachs eine weitere Ausdrucksmöglichkeit – dem Tanz - gleichzeitig ein Bogen zur Gegenwart gespannt. Es ist der Moderne Tanz, der die von Bach beschriebenen Seelenzustände in einen zeitgemäßen Kontext überträgt. Obwohl mit der Vermittlung religiöser Inhalte in szenischer Form grundsätzlich an das im Mittelalter entstandene religiöse Drama angeknüpft wird, ist doch der gezielte Einsatz von Tanz von besonderer Bedeutung. Im Zuge der inneren Ausgestaltung (Trennung von Leib und Seele) und Ausbreitung des Christentums (Abgrenzung gegen sog. heidnische Religionen und häretische Gruppen) wurde der Tanz in den profanen Bereich abgedrängt. Heute erobert er nicht nur die Möglichkeit zur religiösen Erfahrung und Ausdruck derselben zurück sondern auch die Kirche als Raum. Die besonders dem Modernen Tanz innewohnenden Fähigkeiten mit Konventionen zu brechen, ständig neue Impulse aufzunehmen und dem Betrachter genügend Freiraum zur Interpretation zu lassen, machen ihn zum geeigneten Ausdrucksmittel der Bachschen Kantaten.

Das Kirchendrama - die Kirche als Theaterraum
Dieses Projekt knüpft an die Tradition des Kultdramas und des religiösen Dramas an. Das religiöse Drama ist im Kirchenraum entstanden und war ein sakraler Akt. In der Liturgie des frühen Mittelalters liegen die Wurzeln des geistlichen Spiels.
Die Premiere fand statt im Rahmen der EXPO 2000 in der Marktkirche Hannover.

Sponsoren
Hanns-Lilje-Stiftung, ev.-luth. Stadtkirchenverband Hannover
Niedersächsische Sparkassenstiftung, Sparkasse Göttingen